Josef Bordat

Der Weg ist das Ziel. Zum Fest der Heiligen Drei Könige

Am 6. Januar feiert die Katholische Kirche das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanie), das im Volksmund auch Fest der Heiligen Drei Könige genannt wird. Die Weisen aus dem Morgenland, von denen die Bibel zwar weder sagt, dass es Könige, noch, dass es drei an der Zahl waren, die aber in königlicher Würde dem Ruf Gottes folgten und Jesus drei Geschenke darbrachten, standen während des Weltjugendtags in Köln im Sommer 2005 im Mittelpunkt vieler liturgischer Angebote. Von dort sind uns viele Betrachtungen zu diesem zentralen Ereignis des Weihnachtsfestkreises geschenkt.

Papst Benedikt XVI., für den der WJT das erste Großereignis seines Pontifikats war, betrachtet insbesondere den Weg, auf den sich die Sterndeuter machen. Er unterscheidet dabei drei Phasen. Zunächst das Angerührtsein vom Stern und der freudige Aufbruch. Dann die Verdunkelung, das Erlöschen des Sterns, die Ratlosigkeit und die Furcht vor dem Umsonst. Diese Erfahrung des sich verhüllenden Gottes macht wohl jeder Christ irgendwann. Ihr ist, so Benedikt, mit Geduld zu begegnen, mit demütigem und beharrlichem Klopfen an die Tür des schweigenden Gottes, der uns die Stunden des Dunkels schickt, um unsere Sehnsucht wachsen zu lassen. Erst dadurch werden wir geformt und befähigt, bei unserer Wanderschaft auf dem inneren Weg der Seele den Aufstieg zu den Höhen des Ewigen zu schaffen. Schließlich endet der Weg der Weisen im Finden und Anbeten des Gefundenen.

Damit ist der Weg aber nicht zuende, sondern er beginnt auf’s Neue, denn nun geht es für die Weisen, die einen neuen König erwartet hatten, darum, mit der größtmöglichen Differenzerfahrung fertig zu werden: kein Palast, ein Stall, kein Thron, eine Krippe, kein Königspaar, eine Magd und ein Handwerker. Gott ist anders. Vor allem, als man ihn sich vorstellt. Was also folgt ist ein innerer Weg, ein inneres Sich-Annähern an den, der doch immer der Andere sein wird. Auf diesem Weg, auf dem wiederum Dunkel und Licht sich abwechseln, sinken die Drei (und wir mit ihnen, wenn wir uns denn auf den Weg machen) immer tiefer in das Geheimnis der Herrlichkeit Gottes hinein.

Bevor ich es vergesse: Ein gutes neues Jahr und Gottes Segen bei all Ihren/Euren Vorhaben!

Ihr/Euer
Josef Bordat

Schlagworte: epiphanie, papst, weltjugendtag

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