Die folgenden "Morgengedanken" aus dem SWR1-Radio haben mich gestern sehr bewegt und deshalb möchte ich sie hier ein bisschen publik machen:

Freundin
Kann einem im Leben etwas Besseres passieren als eine gute Freundin? Sehr viel Besseres jedenfalls nicht, glaube ich. Sie findet die richtigen Worte. Sie kann schweigen. Und sie ist da, obwohl sie eigentlich genug mit sich selbst zu tun hat. Wer einen Menschen hat wie diese Frau, kann sich sehr glücklich schätzen. Und wenn Sie selbst versuchen, ein Freund oder eine Freundin zu sein, können Sie von Elisabeth viel lernen.
Das erste, was ich an ihr prima finde. Sie lässt sich einfach in Anspruch nehmen. Ohne Termin. Und sie macht es der anderen ganz leicht, dass diese Hilfe braucht. Es muss ihr kein bisschen peinlich sein. Sie gerät nicht in die Position der Bittstellerin. Im Gegenteil: „Schön, dass Du da bist,“ wird sie von Elisabeth begrüßt. Dabei ist es fast ein Überfall, was die kleine Nichte da macht: Mit dickem Bauch. Aber viel zu jung und viel zu arm, um schwanger zu sein, steht sie vor der Tür. Geflüchtet von daheim, weil sie Angst haben muss vor den sittenstrengen Männern in ihrer Gemeinde. Dass man sie steinigt, wegen Unzucht. Maria sucht bei Elisabeth Schutz und bringt die damit auch in Schwierigkeiten. Zumal sie selbst schwanger ist. Risikoschwanger, in ihrem Alter. So erzählt die Bibel von Maria, der Mutter Jesu, und Elisabeth, ihrer Tante und Freundin.
Elisabeth gibt Maria Asyl. Und noch viel mehr. Herzliche Freundschaft. Ich glaube, oft ermessen wir gar nicht, was das für eine Erleichterung für einen Menschen bedeutet, wenn er sich freundlich geschützt fühlen kann. In Sicherheit bei Freunden. Und noch weniger ermessen wir, was wir verweigern, wenn wir Schutz und Freundschaft nicht schenken. Oder knauserig damit sind. Elisabeth knausert nicht. Und aus Solidarität in der Not wird Freundschaft zwischen den beiden schwangeren Frauen. Trotz ihres Altersunterschieds.
Die kleine Geschichte in der Bibel erzählt am Schluss vom größten Glück in einer Freundschaft. Wenn man Worte für den anderen findet, die der braucht, aber sich eben nicht selber sagen kann.
Maria ist immer noch hin- und her gerissen. Eben noch glückliche werdende Mutter und im nächsten Moment voller Angst, was aus ihr und dem Kind werden soll. Da sagt Elisabeth zu ihr: „Maria, Du bist auf einem langen Weg. Aber es ist genau Deiner. Und darum wird Gott ihn mit Dir gehen.“ So was muss einem ein Freund oder eine Freundin sagen, damit man es wirklich glauben kann.
Autor: Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

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1 Kommentar

Guenther Kommentar von Guenther am 11. Dezember 2008 um 8:46am
Eigentlich ist das wie ein Grundgedanke für das Thema "Offene Häuser", das wir hier in Berlin bewegen.

Ein Ort, wo man Freundschaft findet
Die Tür einfach auf ist.
Man so sein kann wie man ist
Ein Ort, wo man nicht gerichtet wird

Und wie du schön schreibst: So was fängt ja im Herzen an.

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